wildbunt —
Das Permakultur-Camp

wildbunt ist ein Bildungsprogramm für Kinder zum Gärtnern nach Permakultur-Prinzipien, das erstmals 2017 in Südtirol umgesetzt wurde. Es ist ein praxisorientiertes Umweltbildungsangebot mit dem Ziel, Kindern innerhalb eines Ferienprogramms das Gärtnern näher zu bringen und in ihnen dadurch Bewusstsein und Gefühl für einen nachhaltigen und verantwortungsvollen Umgang mit der Natur zu fördern.

Idee

Im November 2016 begannen wir, das sind Lea Köder und ich selbst, mit der Entwicklung und Planung von wildbunt. Mit dem Bildungszentrum „Haus der Familie“ (HdF) am Ritten in Südtirol fanden wir schnell einen Partner, der uns den entsprechenden Lernraum zur Verfügung stellte und den nötigen organisatorischen Rahmen bot. Mit dem HdF als Träger setzten wir im Sommer 2017 zwei einwöchige Kurse mit insgesamt 25 Kindern zwischen 7 und 12 Jahren um. Diese dienten als Prototypen, an denen wir das bis dahin entwickelte inhaltliche Konzept erstmals testen wollten und welche ich als Grundlage für meine Masterthesis nutzen wollte.

Konzept

Um die vielfältigen Inhalte und Themen rund ums Gärtnern und die Permakultur vor- und aufzubereiten, wurde ein umfangreiches modulares Konzept entwickelt. Jedes Modul konzentriert sich dabei auf ein Thema, wie beispielsweise das Mulchen, den Regenwurm oder die Erde. Für die einzelnen Module wurden schließlich Lern- und Spielmaterialien entwickelt, welche die Kinder zuerst mit dem nötigen Basiswissen zur jeweiligen Thematik ausstatten. Die theoretische Einführung wurde schließlich praktisch erweitert und mit Aktionen und Spielen erfahrbar gemacht. So wurde beispielsweise Heu und Schafswolle als Mulch im Garten ausgelegt, es wurde ein Wurmkompost aus Recycling-Materialien gebaut und die Kinder fanden mittels eines Spiels heraus, wie die Erde im Garten beschaffen war.

Ziele

Einerseits sollen die Kinder bei wildbunt die Möglichkeit haben, sowohl eigenständig als auch in Teamarbeit den Garten zu erforschen und kleinen Aufgaben und Projekten nachzugehen, die sie selbst interessieren. Wissensvermittlung steht jedoch nicht im Vordergrund. Es geht nicht darum, klare Vorgaben oder ein konkretes Programm durchzuführen, sondern den Kindern die Tore zu öffnen, durch die sie selbst ihre Interessen und Fähigkeiten erfahren, erkennen und stärken können. Dies sollten die eingeladenen Gäste zusätzlich verstärken: So begleiteten verschiedene Akteure einzelne Kursmodule, bauten mit den Kindern eine Kräuterspirale, pflanzten Obstbäume oder sammelten Samen.

Brand

Wie kann Design dabei helfen, unserer Zielgruppe, den Kindern, die Natur durch das gemeinschaftliche Gärtnern im Rahmen eines Ferienprogrammes näher zu bringen? Die Zielsetzung, einen ansprechenden, zielgruppengerechten und funktionalen Gestaltungsrahmen zu entwickeln, der beim Lernen unterstützt, Neugierde anregt und zum Entdecken motiviert — im Folgenden sollen die getroffenen Design-Entscheidungen etwas genauer beleuchtet und erläutert werden:

Naming

Nach einem ausführlichen Brainstorming zu Assoziationen und Werten des Projekts sowie einer intensiven Feld-Recherche, entstand die Wortneuschöpfung “wildbunt”. Das Adjektiv “wild” wird dabei mit ungezähmter, freier (auch menschlicher) Natur assoziiert, während “bunt” für Vielfalt, Fröhlichkeit und Andersartigkeit steht. Im übertragenen Sinne repräsentieren die beiden Eigenschaftswörter die emotionale Veranlagung von Kindern, der wir innerhalb des Kurses Raum geben möchten: einem freien, freudigen und neugierigen Umgang miteinander und der Natur.

Logo

Das Logo besteht aus einer Wortmarke in Kombination mit einer abstrakten, handgemalten grafischen Form. Der handgemachte, wilde und bewegte Charakter wird durch die Wahl der Schrift „Mr. Dodo“ und dessen Schrägstellung zusätzlich unterstützt. Durch die Spaltung der Worte “wild” und “bunt in zweiZeilen ist diese — auch für Kinder — einfach zu lesen.

Typografie

Da der wildbunt-Kurs für Kinder zwischen 7 und 12 Jahren geöffnet ist, mussten die Schriften an die unterschiedlichen Lesekompetenz-Level der Kinder angepasst werden: einerseits sollten sie durch eine klare Schriftform einfach zu lesen sein und die Kinder gleichzeitig aktiv motivieren, die Texte zu lesen. Die zentrale Schriftart „Mr. Dodo“ ist ursprünglich handgezeichnet und verfügt daher über eine natürliche, dynamische und kindliche Anmutung. Durch ihre Imperfektion wirkt sie schlicht und authentisch. Darüber hinaus wurden zwei weitere Schriften gewählt, die in formalen Anwendungen und der Außenkommunikation Verwendung finden: die Serifenschrift “Manuale” und die serifenlose Schrift “Nunito Sans”. Die Kombination der drei Schriftarten bietet große visuelle Varianz und ermöglicht durch ihre Kontraste eine Chance auf eine anregende, vielseitige typografische Gestaltung der Medien.

Farben

Farben übermitteln Botschaften, rufen Emotionen hervor und machen Dinge lebendiger. Für das visuelle Erscheinungsbild von wildbunt galt es, nicht zuletzt des Namens selbst wegen, ein buntes Farbspektrum festzulegen. Hierfür wurden insgesamt 12 Farben ausgewählt, angelehnt an die 12 Monate des Jahres, da dieser in der Permakultur eine wichtige Rolle spielt. Dabei reicht das Farbspektrum von kühlen, winterlichen bis zu warmen, sommerlichen Farbtönen.

Illustrationen

Die Illustrationen für wildbunt wurden von Hand gezeichnet und bestehen, angelehnt an Mal- und Zeichenbücher für Kinder, aus den Konturen von Tieren, Pflanzen und Objekten, die je nach Bedarf und Kontext eingesetzt werden können. Von großen, zusammenhängenden Illustrationen wurde abgesehen, da diese nicht zum modularen Konzept von wildbunt passen. Ziel ist es, die einzelnen Elemente flexibel einsetzen zu können und damit eine visuelle und inhaltliche Stütze für die Kinder zu ermöglichen.

Toolkit

BAUMWOLLBEUTEL
Um das Erleben noch greifbarer zu machen, erhielten die Kinder zu Beginn des Kurses ein Toolkit, dessen Inhalte über die Tage hinweg nach und nach hinzugefügt wurden. Diese sowie zusätzliches Proviant und Ausrüstung konnten die Kids in ihrem Beutel sammeln und transportieren.
SAMMELKARTEN
Das Toolkit basiert auf der Struktur des Frameworks und besteht aus einer Vielzahl von flexibel erweiterbaren Lern- und Arbeitsmaterialien. Zentrales Element ist hierbei die Sammelkarten-Box: Die DIN A5 Karten beinhalten Hintergrundwissen, Interaktionsideen und Rätselspiele zu diversen Themenblöcken wie etwa „Boden“, „Wurmkompost“, „Samenbomben“ und vielem mehr. Ihr Zweck liegt darin, die Kinder einerseits mit dem nötigen Grundlagenwissen auszustatten und gleichzeitig Aktivitäten und Aktionen im Kurs anzuregen, und das Thema spielerisch erlebbar zu machen.
KALENDER
Darüber hinaus erhalten die Kinder weitere Materialien wie z.B. einen Saisonkalender, einen Companion-Planting-Kalender, der sie beim Ackern im Garten unterstützt. Hier lernen die Kids, wann welche Gemüse- und Obstsorten in Saison sind und auf dem Feld wachsen oder welche Pflanzen und Kräuter mit welchen anderen gut harmonieren und welche nicht gut gemeinsam gedeihen.
SAMENPÄCKCHEN
Selbstgemachte von den Kindern zu befüllende Samenpäckchen ermöglichen es, den Kindern selbst Blumen und Pflanzen zu vermehren. Mit den DIN A4 Vordrucken lassen sich kinderleicht Samenpäckchen basteln, die kurz und bündig interessante Infos preisgeben über deren Inhalt. So kann sich jede*r ein Stückchen wildbunt mit nach Hause nehmen und weitergärtnern.
SAMENBOMBEN
Eine weitere Möglichkeit, karge Flächen zu begrünen oder den häuslichen Garten bunter zu gestalten sind Samenbomben. Aus natürlichen Materialien lassen sich im Handumdrehen kleine Samenkugeln formen, die — wenn sie einmal getrocknet sind — an beliebigen Orten ausgebracht werden können.
MARMELADE & SIRUP
Welch tolle Leckereien sich aus dem eigenen Garten zaubern lassen, wollten wir mit den Kindern erleben und zauberten in der Küche des Bildungshauses Holunderblütensirup und Brombeermarmelade. Mmmmmh!

Marketing

Für die Bewerbung des Projekts wurden Flyer ausgelegt und der Kurs wurde in der Broschüre des Bildungshauses veröffentlicht. Ebenso halfen Visitenkarten im Planungsprozess und beim Kennenlernen verschiedener Akteur*innen und Unterstützer*innen.

Fortführung

Nach Ende des Studiums verblieben wir nicht weiter in Südtirol. Lea Köder studiert nun Umweltpädagogik in Wien, ich selbst lebe und arbeite in Freiburg in Süddeutschland. Auf der Suche nach interessanten Weiterbildungsmöglichkeiten im Umwelt- und Erlebnispädagogik-Bereich freue ich mich jederzeit auf weitere Projekte in diesem Feld und würde mich freuen, irgendwann wieder ein solches Programm auf die Beine stellen zu können!

Kontext—

Masterthesis, Freie Universität Bozen

Kategorien—

Konzept, Design Research, Branding, Produktdesign, Illustration, Webdesign, Fotografie, Umsetzung

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